
Wie gut ist Eichenau auf kommende Krisen vorbereitet? Auf Hochwasser wie vor zwei Jahren, auf einen langen Stromausfall wie in Berlin, auf heiße Sommer – oder auf Krieg? Diese Fragen beantworteten auf Einladung der Grünen am vergangenen Mittwoch Experten und Politiker aus Gemeinderat und Kreistag.
Die Aula der Starzelbachschule war voll. Viele Bürgerinnen und Bürger wollten wissen, was für den Ernstfall bereits geplant ist oder bereitsteht. Was viele überraschte: Laut Erstem Bürgermeister Peter Münster (parteilos) sind schon viele Vorbereitungen getroffen.

Ronja von Wurmb-Seibel, Autorin und Landratskandidatin;
Nico Gramenz, Unternehmer und Autor (online zugeschaltet)
Es beginnt beim Einzelnen, so Nico Gramenz, Unternehmer und Autor, der sich mit dem Thema Resilienz schon länger beschäftigt. Für etwa drei Wochen sollte jeder zu Hause Vorräte anlegen, so auch die Empfehlung der Bundesregierung. Wichtig: Vor allem Wasser sollte ausreichend vorhanden sein. Sollte der Strom länger ausfallen, ist Nachbarschaftshilfe gefragt: Gemeinsam handeln, Bedürfnisse kennen und im Notfall helfen. Dazu sollte jeder schon jetzt ein gutes Netzwerk schaffen. Und wissen, an wen man sich wenden kann.
Ronja von Wurmb-Seibl, Landratskandidatin der Grünen für den Landkreis FFB, kann das nur bestätigen. Sie hat zwei Jahre in Afghanistan gelebt und gearbeitet. Dort hat sie die Erfahrung gemacht: „Zehn Prozent sind Vorbereitung. In der Krise kommt es ganz anders – und da hilft es, möglichst viel vorab zu wissen und dann zu reagieren. Es gibt immer irgendeine Lösung – wenn man zusammenhält.
Konkret für Eichenau kann Bürgermeister Peter Münster schon Pläne vorlegen. „Gemeinde, Feuerwehr und die Starzelbachschule arbeiten im Krisenfall Hand in Hand.“ Was selbst manchen Gemeinderat überraschte: Die Starzelbachschule ist bereits als der Leuchtturm von Eichenau deklariert. Hierher können die Bürger kommen, wenn Not ist, die Schule ist für solche Krisenfälle ausgestattet. 9000 Menschen finden dort Platz. Ein riesiger Stromgenerator versorgt die Räume mit Licht und Wärme. Ein Vertrag mit dem örtlichen Gefriergütertransport Transgourmet garantiert, dass die dort aufgetauten Speisen in der Küche der Starzelbachschule direkt zubereitet werden. Sogar eine Arztpraxis ist geplant. 30 Tage könnten die Eichenauer hier versorgt werden.
Ein weiteres Projekt: Tiefgaragen in der ganzen Gemeinde werden auf Bunkertauglichkeit untersucht. Auch hier fänden viele Bürger Unterschlupf. Ein wichtiger Eckpfeiler ist die örtliche Feuerwehr. Die vielen freiwilligen Feuerwehrleute sind für jegliche Notfälle vorbereitet.
Ein Problem ist nur, dass die meisten Eichenauer davon nichts wissen. Vor allem, dass die Starzelbachschule der Hotspot ist, ist den meisten unbekannt, so die einhellige Meinung der Bürger vor Ort. Ein Flyer, Plakate, Mitteilungen im Gemeindeblatt könnten hier große Dienste erweisen. Aber auch einfach weitersagen, so Nico Gramenz: „Wenn jeder der Anwesenden es seinen Nachbarn erzählt und die erzählen es wieder weiter, wissen bald alle Eichenauer Bescheid.“
Ein wichtiges Thema, das noch immer nicht als überlebenswichtig in den Köpfen der Menschen angekommen ist: die drohende Hitze. Ärztin Rebecca Genzel warnte schon jetzt, dass die hohen Temperaturen in Zukunft immer mehr Auswirkungen auf das Leben haben werden. Auch hier gilt für jeden einzelnen: „Die heißeste Zeit ist zwischen 16 und 18 Uhr. Nicht zwischen Mittag und 18 Uhr Sport treiben, egal, wie fit man ist. Viel Wasser trinken, sich nicht der Sonne aussetzen. Besonders gefährdet sind Menschen, die Medikamente wie Blutdruckmedikamente nehmen müssen. Achten Sie auf Ihre Mitmenschen, die alt oder krank sind, und helfen Sie!“ An die Politiker appellierte sie eindringlich, bei der Stadtentwicklung auf Hitze-Hotspots zu achten und auch zu überlegen, Flächen zu entsiegeln. In Eichenau hätten wir das Problem eher nicht. Wir haben hier zum Beispiel genügend Bäume – und noch dieses Jahr sollen öffentliche Trinkwasserbrunnen installiert werden.
Was derzeit noch fehlt: Eine Liste von Freiwilligen, die im Ernstfall sofort einsatzbereit sind – vom Baggerfahrer über ITler bis hin zu Ärzten. Dabei ist jeder Bürger angesprochen, der irgendetwas beitragen kann. Gespräche gab es schon einige, so Peter Münster. Doch noch gibt es keine Lösung, wie man im Falle eines totalen Stromausfalls – wenn es weder Computer noch Telefon gibt – auf die Daten zurückgreifen kann. Deshalb sei es gut, wenn schon jetzt alle Helfer Bescheid wüssten, wohin sie sich im Notfall wenden. Und wie kommen die Informationen zu den Bürgern? „Im Zweifelsfall fahren wir wieder mit Auto und Lautsprecher durch die Straßen“, so Münster.
Moderatorin Rike Schiele (Grüne) zog am Ende des Abends eine durchaus positive Bilanz: „Es ist wichtig noch viel mehr in die Kommunikation mit seinem Umfeld zu kommen, und natürlich hoffen wir, dass wir sämtliche Katastrophenpläne nie brauchen werden.“






